1. Die Ausgangslage
Eine hohe Anzahl von Pflegekräften und Sozialarbeitern ist zurzeit in Europa tätig, doch die Anerkennung ihrer Kompetenzen, ist in Bezug auf weitere Länder, Institutionen, Gesundheitssysteme und Lernumgebungen (formal, nicht-formalen oder informellen Kontexten) kaum erreicht, weil Qualifikationen als nicht gleichwertig erachtet werden. Das Fehlen gemeinsamer Methoden und Rahmenbedingungen für die Bewertung, Übertragung, Validierung und Anerkennung von Lernergebnissen sowie die mangelnde Flexibilisierung von Ausbildungsbedingungen, verzögern eine volle Integration in den Arbeitsmarkt und die Entwicklung des Humankapitals.

Das ICARE-Projekt fußt auf der Anpassung eines bereits bestehenden italienischen Prüfungssystems im Bereich der persönlichen Pflege und sozialen Arbeit in Übereinstimmung mit dem ECVET Rahmenbedingungen sowie auf der Erprobung und Entwicklung der relevanten Werkzeuge für eine gleichmäßige Anwendung des ECVET-Grundsätze und Vorgaben.

2. Projektziel und Ziele
Das ICARE-Projekt verfolgt eine Reihe von Zielen, die sich hauptsächlich auf die Anpassung der bereits bestehenden Systeme der beruflichen Qualifikationen in Übereinstimmung mit den ECVET-Rahmenbedingungen sowie auf die Erprobung und Entwicklung der relevanten Werkzeuge für eine gleichmäßige Anwendung des ECVET-Grundsätze und Vorgaben in allen teilnehmenden Ländern konzentrieren. Die Hauptziele des Projektes können wie folgt zusammengefasst werden:
1. Anpassung der beruflichen Qualifikation (im Pflegebereich) und ihre Beschreibung in Form von Einheiten von Lernergebnissen

2. Entwicklung und Anwendung einer geeigneten Methodik für die Vergabe und Anwendung von ECVET-Punkten für ausgewählte berufliche Qualifikationen
3. Annahme und Entwicklung einer geeigneten gemeinsamen Methodik zur Evaluierung von Lernergebnissen, einschließlich VPL
4.
Annahme, Entwicklung und Erprobung eines Lernergebnis Transfer-Prozess zwischen den Partnerländern einschließlich der Bewertung, Validierung, Akkumulierung und Anerkennung von Lernergebnissen für die Zwecke der Vergabe von Qualifikationen, unabhängig von der Lernumgebung (formal, nicht-formal und informell)

Die o. g. Ziele werden in ihrer Erreichung propädeutisch für das Erreichen der folgenden Ziele sein:
- Erleichterung der Anerkennung von Kompetenzen für Pflegekräfte und Sozialarbeiter in Europa, die in anderen Zusammenhängen (Länder, Institutionen oder Gesundheitssysteme) und Lernumgebungen (formal, nicht-formale, informelle oder Formen des Lernens) tätig werden wollen

- Entwicklung und Erleichterung von Wegen des lebenslangen Lernens im Pflegebereich durch die Annahme sowie Entwicklung von Werkzeugen und Methoden in Bezug auf die Bewertung, Übertragung, Validierung und Anerkennung von Lernergebnissen von einer Qualifikation auf einem anderen
- Erleichterung der Integration in den Arbeitsmarkt für Bürger mit einem anerkannten Abschluss, welche in der persönlichen Betreuung und im Sozialwesen arbeiten wollen

3. Vom Projekt direkt betroffene berufliche Qualifikationen
Die Aktivitäten des Projektes richten sich auf sieben berufliche Qualifikationen in dem regionalen Rahmen der beruflichen Profile (QRSP) der Region Lombardei (IT) und vor allem in der Qualifikation innerhalb des Teilsystems für Soziale Dienste und Pflege. Die beruflichen Qualifikationen sind folgende:
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Haus- und Familienpfleger/innen unterstützen Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen und aus allen Altersschichten. Beispielsweise erledigen sie in Familienhaushalten selbstständig und planvoll Alltagsarbeiten für die erkrankten Familienmitglieder. Vor allem älteren Menschen greifen sie bei täglichen Verrichtungen unter die Arme oder gewährleisten die Versorgung von kranken oder pflegebedürftigen Personen bzw. Menschen mit Behinderung
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Zahnmedizinische Fachangestellte sind in Zahnarztpraxen am Empfang die ersten Ansprechpartner, z.B. für Patienten, Krankenkassen oder Labors. Sie vereinbaren und verwalten Termine, begrüßen Patienten und nehmen deren Daten auf. Im Behandlungszimmer bereiten sie Instrumente und Materialien vor und assistieren bei Untersuchungen und Behandlungen
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Hauswirtschafter/innen versorgen und betreuen in einem Haushalt lebende Menschen im Alltag. Sie achten auf Ordnung und Hygiene, erledigen die Wäsche und den Einkauf und kümmern sich um die fachgerechte Vorratshaltung von Lebensmitteln. Darüber hinaus bereiten sie Mahlzeiten zu und servieren diese
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Assistenten und Assistentinnen im Gesundheits- und Sozialwesen übernehmen Tätigkeiten im medizinischen, pflegerischen, sozialen und betriebswirtschaftlichen Bereich. Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehört es, die Führungskräfte aus der Pflege, Krankenhaus und Abteilungsleitung bei betriebswirtschaftlich orientierten Routinearbeiten zu unterstützen
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Gesundheits- und Krankenpflegehelfer/innen unterstützen examinierte Pflegefachkräfte in medizinischen oder pflegerischen Einrichtungen. Sie leisten Hilfe bei der Körperpflege, betten und lagern Patienten um, teilen Essen aus und stehen ggf. bei der Nahrungsaufnahme zur Seite. Auch beobachten und kontrollieren sie Puls, Temperatur, Blutdruck und Atmung der Patienten. Zudem begleiten oder befördern sie diese zu Untersuchungen und Behandlungen
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Helfer/innen im Bereich Reinigung führen bei der Säuberung und Pflege von Privat-, Büro- und Geschäftsräumen oder auch in der Textilreinigung meist einfachere oder zuarbeitende Tätigkeiten aus. Helfer/innen im Bereich Reinigung sind vor allem bei Gebäudereinigungsunternehmen sowie in Privathaushalten, in Wäschereien, in chemischen Reinigungen oder - als Toiletten- oder Garderobenwärter/innen - bei weiteren Dienstleistungsunternehmen beschäftigt
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Sozialpädagogische Assistenten und Assistentinnen bzw. Kinderpfleger/innen betreuen zusammen mit sozialpädagogischen Fachkräften oder Kinderkrankenpflegekräften vor allem Säuglinge und Kleinkinder. Auch die Eltern beziehen sie mit in ihre Tätigkeit ein. Sie sorgen für pädagogisch interessantes und altersgemäßes Spielmaterial und leiten die Kinder beim Spielen an. Je nach Altersgruppe basteln, musizieren und turnen sie mit den Kindern. Außerdem erledigen sie Hausarbeit, soweit diese mit der Kinderbetreuung in Zusammenhang steht, also z.B. Essenszubereitung und Wäschepflege. Teilweise unterstützen sie auch die pädagogische Arbeit mit Jugendlichen.

4. Erwartete Projektergebnisse / Produkte
- Bewertung der Transparenz der betroffenen Qualifikationen und Identifizierung des am besten geeigneten methodischen Ansatz
- Sammlung von Qualifikationen und ihrer Struktur gemäß der Spezifikationen des ECVET
- Zuordnung von ECVET-Punkten in Bezug auf relevante Qualifikationen (Zuweisung von operativen Richtlinien und Anwendung des ECVET Punkte-System für Qualifikationen und Lerneinheiten sowie Methoden und Verfahren zur Zuweisung von Punkten)
- Bewertung von Lernergebnissen (Beschreibung einer gemeinsamen Methodik für die Bewertung der Lernergebnisse: Methoden, Werkzeuge, Evaluierungsrahmen, Verfahren etc.)
- Lernziele und ihr Transferprozess (Modellhafte Darstellung des Transfer-Prozesses)
- Stellungnahme bzgl. der Übereinkunft (Rahmenwerk für die Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen den Partnern)
- Werkzeuge, Verfahren und Materialien für die Umsetzung des entwickelten Modells
- Empfehlungen für Politiker und Entscheidungsträger

5. Das ICARE Konsortium
Das Projektkonsortium umfasst Organisationen aus vier europäischen Ländern:
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Fondazione CEFASS (IT) ist eine gemeinnützige Stiftung mit öffentlichem Auftrag und starken Verbindungen zu den institutionellen Steuerungen der Lombardei Region.
CEFASS wurde 2002 gegründet und betreibt angewandte Forschung mit Bezug auf die Ausbildung und Beratung in den Bereichen Soziales, Beschäftigung, Bildung, berufliche Bildung und Gesundheitswesen. Hinsichtlich der Berufsbildung, arbeitet CEFASS an der Umsetzung neuer Instrumente, um die Verbesserung der Bildungs- und Berufsbildungssysteme, sowohl im öffentlichen und privaten Sektor, voran zu bringen. Dazu zählt u. a. die Förderung von Pilotprojekten zur Personalentwicklung und Erwachsenenbildung, sowie zum E-Learning und transnationalem Lernen und zum kontinuierlichen Qualitätsmanagement als Teil des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR).
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Fondazione IKAROS (IT) gestaltet und fördert Projekte und Maßnahmen im Bereich der beruflichen Bildung. Fondazione IKAROS ist ein zertifizierter Dienstleister in der Berufsbildung und im Bereich des lebenslangen Lernens. Ikaros unterbreitet und unterstützt eine Palette von Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten mit Bezug auf bestimmte Bevölkerungsgruppen (z.B. Schulabbrecher, benachteiligte Gruppen, etc.), sowohl in der tertiären Ausbildung als auch bei der Bereitstellung von innovativen Arbeitsmarktdienstleistungen, internationalen Zusammenarbeit und Forschung. Im Jahr 2010 erhielt IKAROS das Excellence Label aus der Region Lombardei.
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Federsolidarietà (IT) ist die Gewerkschaft sozialer Unternehmen, die 5.600 Mitglieder in Italien umfasst. Ein wesentliches Ziel von Federsolidarietà ist die Entwicklung eines Modells, das besonders die berufliche Eingliederung von benachteiligten Gruppen auf dem Arbeitsmarkt verbessert. Dazu zählen u. a. Personen in sozialen Unternehmen, welche häufig keine oder nur geringe Qualifikationen trotz vorheriger Berufserfahrung vorweisen.
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CISL/ANOLF Brianza (IT) ist eine Vertretung von Migranten und Arbeitnehmern mit Sitz in Italien, welche über ein breites Netzwerk in Italien verfügt. ANOLF-CISL ist ebenso an dem Projekt I-CARE beteiligt und verfolgt die Entwicklung eines Modells (basierend auf ECVET) unter Berücksichtigung einer verbesserten Arbeitsmarktfähigkeit von Migranten.
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NQA (RO), der Nationale Rat für berufliche Erwachsenenbildung, koordiniert und kontrolliert die Genehmigung von Anbietern der beruflichen Bildung durch eine zentrale Kommission sowie durch weitere, in den Landkreisen etablierte Kommissionen. CNFPA erarbeitet und etabliert berufliche Standards, bewertet und etabliert Vorgaben zur Berufsbildung und zertifiziert berufliche Kompetenzen, die von Erwachsenen während der Berufsausbildung erworben werden.
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TILS Romania (RO), registriert gemäß rumänischem Recht, zielt auf die Übertragung von Fachwissen und Know-how auf internationaler Ebene im Bereich der beruflichen Fortbildung ab, wodurch die Zukunftsfähigkeit von öffentlichen Organisationen und Unternehmen verbessert werden soll.
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VHS Cham (DE) ist auf Forschungsaktivitäten im Bereich des lebenslangen Lernens sowie der Entwicklung und Implementierung entsprechender Strategien spezialisiert.
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SIC! (PL) Diese Stiftung wurde gegründet, um zur Schaffung einer effektiven Lösung sozialer Probleme beizutragen und eine moderne soziale Infrastruktur zu unterstützen. SIC! lenkt und implementiert moderne Sozialarbeit und unterstützt lokale Regierungen bei der Planung sozialpolitischer Strategien zwecks der Schaffung entsprechender Modelle.